Pubertät auf vier Pfoten — wenn Hormone lauter sind als wir

Mein Hund hört hervorragend — nur nicht auf mich.

Es gibt Spaziergänge mit einem Junghund, die fühlen sich weniger an wie Training und mehr wie eine Lektion über Entwicklung. Nicht über Gehorsam. Nicht über Perfektion. Sondern darüber, wie wenig linear Wachstum wirklich ist. Man sieht alles kommen, erkennt die Situation, weiß theoretisch genau, was passieren wird — und hofft trotzdem, dass Hoffnung diesmal stärker ist als Biologie.

Manchmal ist sie das. Und manchmal eben nicht.

Und wenn du gerade denkst: Warum hört mein Hund plötzlich gar nichts mehr? — dann stehst du ziemlich sicher mitten in der Pubertät.

Und nein: Dein Hund ist nicht kaputt. Und du auch nicht!

Pubertät ist kein Widerstand. Kein Trotz. Kein Charakterproblem. Sie ist ein Umbau. Ein Gehirn, das sich neu sortiert. Ein Nervensystem, das lauter wird, während Impulskontrolle noch leise übt. Ein Körper, der plötzlich schneller entscheidet als der Verstand. In dieser Phase ist Training weniger eine Frage von Perfektion und viel mehr eine Frage von Beziehung: Wie oft finden wir nach dem Chaos wieder zueinander?

Ein Spaziergang, der es in sich hatte

Neulich nahm ich all meinen Mut zusammen und wollte endlich dieses neue Freilaufgebiet entdecken, von dem ich schon so viel gehört hatte. Also packte ich Fin ins Auto — freudig, nervös, gespannt. Diese seltsame Mischung aus Abenteuerlust und latentem Kontrollbedürfnis, die entsteht, wenn man hofft, dass heute ein guter Tag wird.

Nach dem Aussteigen standen wir auf einer riesigen Wiese. Wald auf der einen Seite, Wasser auf der anderen. Weite. Freiheit. Und schon auf der ersten Wiese liefen Hunde frei herum. Viele Hunde.
Alle Besitzer waren unglaublich nett und leinten ihre Hunde an, als sie sahen, wie aufgeregt Fin war. Er bellte, jaulte, sprang in die Leine, und ich lächelte professionell, bedankte mich höflich und dachte gleichzeitig:
Was für eine peinliche Situation. War das wirklich eine gute Idee?

Dieser merkwürdige Moment, in dem man äußerlich souverän nickt und innerlich langsam zu Staub zerfällt. Also exakt wie sich 97 Prozent aller Hundemenschen an einem ganz normalen Dienstag fühlen.

Ein paar Meter weiter wurde es ruhiger. Vor uns niemand, hinter uns niemand. Ein kleines Zeitfenster aus Raum. Ich atmete durch, machte die Leine ab und ließ ihn laufen — und er schoss los. Das war kein Rennen. Das war ein Abschuss.

Wie ein geölter Blitz Richtung Waldrand. Nase am Boden. Ohren auf Durchzug. Mein zögerliches Rufen hatte ungefähr die Durchschlagskraft eines Flüsterns im Hurricane. Ich stand da und sah zu, wie mein Training kollektiv Urlaub machte. Nach ein paar Minuten kam der gnädige Herr zurück, als wäre nichts gewesen. Kein schlechtes Gewissen. Keine Entschuldigung.
Nur dieser Blick: Was ist los? Hast du was gesagt? War doch alles in Ordnung.
Ich leinte ihn wieder an und sammelte mein verstreutes Ego aus dem Gras. Nach einer Weile lief Fin tatsächlich brav neben mir und ich dachte: Jetzt bist du schon mal hier, dann soll er auch laufen dürfen.

Also Plan B: sternförmig Leckerchen werfen, jedes Zurückkommen markieren, Dummys raus, suchen, laufen, apportieren. Und plötzlich lief es. Nicht spektakulär. Aber magisch. Dieser leise Klick, wenn zwei Nervensysteme wieder denselben Takt finden. Wir fanden unseren Flow zurück. Und genau darum geht es: nicht um die Perfektion — sondern um das Wiederfinden. Jedes Mal.

Inselmomente

Nach der Session nahm ich ihn wieder an die Leine. Ich war noch immer aufgeregt — neues Gebiet, unbekannter Weg, zu viele Möglichkeiten im Kopf. Also zwang ich mich bewusst langsamer zu werden. Ich atmete tiefer, ließ meine Schritte schwerer werden, bis mein Körper und meine Gedanken wieder bei mir ankamen. In der Ferne standen zwei Rehe. Ich sah sie, registrierte das Risiko — und traute mich trotzdem.

Ich leinte ihn ab und sagte ruhig: „Du darfst frei laufen, aber bleib bei mir.“ Und er tat es.
Und so gingen wir. Nicht spektakulär. Nicht heroisch. Einfach verbunden. Er schnüffelte, checkte ein, blieb ansprechbar. Kilometerlang liefen wir so nebeneinander her, als hätten wir uns unterwegs wiedergefunden.
Diese Inselmomente kennst du vielleicht auch: leise Beweise, dass Verbindung stärker sein kann als Ablenkung.

Momente, in denen man denkt: Wir haben’s. Es wird. Er wird erwachsen. Und genau in diesen Momenten wächst Hoffnung.

Ich hätte wissen müssen: Perfektion im Junghunde-Leben ist kein Ziel. Sie ist ein Zwischenstopp. Wunderschön. Und vorübergehend.

Und dann kam die Pubertät persönlich vorbei

Auf dem Rückweg kamen wir wieder bei der großen Hundewiese vorbei, also leinte ich ihn vorsichtshalber wieder an. Ich war ein bisschen stolz auf meine Weitsicht. Für ungefähr zehn Sekunden.

Dann sah ich einen schwarzen Punkt – von Hund zu Hund - über die Wiese flitzen. Fin sah ihn auch. Und unsere Nervensysteme schalteten synchron auf Alarm. Und zack, stand die junge Pudeldame auch schon bei uns. Lebendig. Flirty. Und ich bin sicher, Fin dachte:
Das ist die zukünftige Mutter meiner ungeborenen Welpen.

Ich hatte ungefähr eine halbe Sekunde Zeit, zwischen Trainingsprinzipien und Schultergelenk zu priorisieren — Also entschied mich für die Orthopädie und machte die Leine ab.
Die beiden schossen los und starteten eine Party, die vermutlich irgendwo im Hundehimmel archiviert wird. Ich ließ sie laufen, redete mit der Besitzerin, und die Hunde tobten hinter uns in einem eigenen Universum ohne Zeitgefühl, bis sie nur noch zwei Punkte am Horizont waren.

Nach einer Weile — vielleicht zehn Minuten, vielleicht auch nur ein paar Herzschläge zu lang — merkte ich, dass ich langsam nach Hause wollte. Zwischen uns lagen inzwischen gefühlte 200 bis 300 Meter pure Euphorie. Also rief ich ihn. Normal. Dann energischer. Dann mit der Pfeife. Nichts. Kein Zögern. Kein Innehalten. Kein Umdrehen. Keine Reaktion. In diesem Moment fühlte ich mich zu laut und zu klein gleichzeitig. Allein. Hilflos. Planlos. Eine absolute Versagerin. Also exakt wie sich viele Hundemenschen fühlen, wenn Hormone plötzlich die Fernbedienung übernehmen.

Und dann kamen auch noch die Worte der Pudeldamen-Besitzerin, leicht dahingesagt, fast tröstend gemeint:
„Naja, das kann dauern. Meine Hündin hört auch nicht und kommt, wann sie will. Da wirst du deinen Hund schon abholen müssen.“
Und während ich noch versuchte, diese Worte einzuordnen, lief sie mit ihrem Kind einfach weiter. Kein Vorwurf — sie hatte ihr eigenes Leben, ihren eigenen Spaziergang. Aber in meinem Inneren fühlte es sich an, als würde ich mitten in meiner Not allein auf dieser Wiese stehen bleiben. Dieser kleine Stich traf genau auf die Angst, die ohnehin schon da war: die Angst, die Kontrolle zu verlieren. Die Angst, gesehen zu werden im Scheitern. Die Angst, nicht zu wissen, was als Nächstes zu tun ist.

Was da passierte, war kein Trainingsproblem. Das war Biologie in Reinform.

Ich trat in diesem Moment nicht gegen Ungehorsam an, sondern gegen Hormone — und Hormone haben leider eine sehr überzeugende Marketingabteilung. Ein pubertierendes Gehirn priorisiert soziale und sexuelle Reize über fast alles. Mein Rückruf konkurrierte also mit Biologie und Evolution. Und diese beiden spielen kein faires Spiel. Sie spielt auf Sieg, ohne Rücksicht auf Verluste. Nicht aus Trotz. Nicht aus Bosheit. Sondern weil Entwicklung eben genau so funktioniert.

Die Geschichte im Kopf

Dieser Moment traf mich nicht nur als Trainerin, sondern als Mensch. Da war plötzlich diese uralte Angst, allein dazustehen. Zurückgelassen zu werden. Nicht gehört zu werden. Mein sicher geglaubter Rückruf — mein Anker, mein Beweis, dass wir ein Team sind — funktionierte einfach gerade nicht. Und mit ihm bröselte mein Ego leise in sich zusammen.
Ich stand also da, heiß vor Scham, leer vor Planlosigkeit, und wusste für einen Moment nicht, was ich tun sollte, wenn der Hund einfach nicht kommt. Nicht theoretisch. Nicht im Lehrbuch. Sondern hier und jetzt – im wahren Leben. Mit Herzklopfen im Hals und Publikum in Sichtweite.

Und dann kam dieser kleine, unspektakuläre, aber doch riesige erste Schritt: Und ich lief los.

Meter für Meter zurück in die Richtung meines pubertierenden Universums. Nicht würdevoll. Nicht strategisch. Einfach gehend. Schritt für Schritt.
Erst als ich in der unmittelbaren Nähe meines komplett abgeknutschten Labrador-Pubertiers war, und zu ihm sagte: „Echt jetzt?! War das wirklich nötig?“- drehte er sich zu mir um und sah mich mit diesem Blick an, der irgendwo zwischen Überraschung und freundlicher Irritation lag:
"Seit wann bist du denn eigentlich auch hier?"

Und in diesem absurden Moment musste ich lachen. Etwas in mir wurde wieder weich. Ich ging zu ihm, nahm ihn an die Leine, und zu dritt machten wir uns auf den Rückweg. Fin lief an lockerer Leine neben mir - mit diesem schielenden Glücksblick eines frisch verliebten Pubertiers - und das Pudelmädchen, das den plötzlichen Abbruch des Liebesspiels so gar nicht verstand tanzte den ganzen Weg um uns herum.

Ein paar hundert Meter später liefen wir wieder an der Besitzerin des Pudelchens vorbei, und erst da holte sie ihre Hündin von uns ab. Kein großes Wort, kein Nachhall — einfach ein leiser Schnitt durch die Szene. Der Ärger über das Alleinstehen saß mir noch schwer in den Schultern. Dieses Bild von ihr, wie sie einfach weiterging, ihr Kind an der Hand, den Pudel sich selbst überlassend, ohne sich noch einmal umzusehen, ließ mich nicht los. Und diesmal war es nicht nur Unsicherheit. Es war Wut.
Ich hatte ihr gesagt, dass ich fahren möchte. Dass ich meinen Hund zurückbrauche. Und in diesem Moment hätte ich mir gewünscht, dass sie kurz stehen bleibt. Dass sie hilft. Dass wir die Situation gemeinsam beenden. Nicht, weil sie mir etwas schuldig gewesen wäre — sondern weil wir zwei Menschen mit Hunden auf derselben Wiese waren, und ich sichtbar überfordert dastand. Ihr sorgloses Weitergehen fühlte sich für mich an wie ein Zurücklassen. Als würde sie ihren Spaziergang fortsetzen, während ich in meinem Chaos stehen blieb. Und genau das tat weh.

Ich ging also weiter Richtung Auto, ohne etwas zu sagen, mit meinem rundum glücklichen Junghund an der Seite. Er war zufrieden. Müde. Voll von Eindrücken. Und während ich neben ihm lief, merkte ich, wie mein Puls langsam wieder dorthin zurückfand, wo Spaziergänge eigentlich stattfinden sollten.

Und langsam verlor all das, Schritt für Schritt, an Lautstärke. Nicht, weil es mir plötzlich egal war. Sondern weil da neben mir ein Hund lief, der nichts von meinem inneren Drama wusste. Für ihn war es einfach ein großartiger Tag gewesen. Voll Rennen, Gerüche, Verliebtheit und Leben. Während ich also mich noch sortierte, was schiefgelaufen war, lebte er bereits längst im Weitergehen - im Hier und Jetzt sein.
Training ist eben kein Porzellan. Es zerspringt nicht bei einem Fehler — auch nicht bei einem gescheiterten Rückruf. Es ist Arbeit mit Wahrscheinlichkeiten in einem lebenden Nervensystem, in einer lebendigen Umwelt. Und manchmal ist das Chaotische kein Zeichen von Versagen, sondern ein Zeichen von Leben.

Unser Gehirn speichert Fehler fett und Erfolge klein gedruckt. Dabei tragen uns genau diese Fußnoten. Dieser Spaziergang bestand aus Kilometern Verbindung davor. Und Verbindung verschwindet nicht, nur weil Pubertät kurz laut wird.

Im Gegenteil, denn vielleicht zeigt sie sich gerade in diesen Momenten am deutlichsten - nicht weil alles funktioniert — sondern, weil wir uns immer und immer wiederfinden.

Was am Ende bleibt

Ich ging an diesem Tag mit einem jungen Hund nach Hause, der nichts zerstört und niemanden verletzt hatte — dafür aber einen der besten Tage seines Lebens erlebt hatte. Und mit einer Erkenntnis, die größer war als perfekter Gehorsam:

Pubertät ist keine Störung im Training. Sie ist Training in Höchstform.

Und ein Rückruf unter diesen Bedingungen ist kein Trainingsfehler — das ist Champions League. Wenn Pubertät ein Test ist, besteht man ihn nicht mit Perfektion, sondern mit Beziehung. Fehler sind keine Rückschritte. Sie sind Standortmarkierungen. Sie zeigen uns, wo wir stehen — und wo wir wachsen und das tun wir nicht trotz dieser Tage. Wir wachsen durch sie.

Und vielleicht war das größte Learning dieses Tages nicht einmal der Rückruf, sondern dass ich Schritt für Schritt durch eine Situation gegangen bin, in der ich mich verloren fühlte — und am Ende immer noch aufrecht stand. Ohne Rettung. Ohne perfekte Lösung.

Aber mit mir – Hand in Hand.
Ich habe gelernt, dass ich mehr schaffen kann, als ich glaube. Dass ich nicht warten muss, bis jemand kommt und mich rettet. Dass ich stark genug bin und selbst weitergehen kann, ohne dass mich jemand an meiner Hand nimmt.

Und falls dein Hund gerade auch im hormonellen Ausnahmezustand lebt: Ihr seid nicht kaputt. Ihr seid mitten im Wachstum, denn Bindung ist kein Showtrick. Sie ist das, was bleibt, wenn der Applaus ausbleibt und ihr trotzdem gemeinsam nach Hause geht.

Und manchmal lernen wir auf diesem Weg nicht nur unseren Hund immer besser kennen — sondern auch unsere eigenen verborgenen Stärken.

Training im Umbau

Pubertät ist biologisch unvermeidbar — aber sie muss nicht hilflos erlebt werden. Wir können Hormone nicht leiser drehen. Aber wir können das Umfeld so gestalten, dass Verbindung wieder eine Chance bekommt.

Training in dieser Phase bedeutet nicht härter, sondern klüger zu werden. Kleinschrittiger. Freundlicher. Und manchmal auch humorvoller.

Ich habe angefangen, mir drei einfache Regeln zu geben, wie Geländer für mein eigenes Nervensystem:
Erstens:
Ich trainiere nicht gegen die Pubertät — ich trainiere mit ihr. Das heißt konkret: Ich erwarte weniger Perfektion und belohne mehr Orientierung. Jeder Blickkontakt unterwegs ist ein kleines Wunder. Jedes freiwillige Zurückkommen ein Geschenk. Pubertät ist die Zeit, in der wir anfangen sollten, Erfolge zu zählen wie Kieselsteine in der Tasche — viele kleine, statt auf den einen großen perfekten Moment zu warten.

Zweitens:
Ich manage Situationen, bevor sie eskalieren. Lange Leine ist kein Rückschritt, sondern ein Sicherheitsnetz. Distanz ist kein Scheitern, sondern kluges Training. Ein Junghund kann nur gute Entscheidungen treffen, wenn sein Gehirn überhaupt verfügbar ist. Und manchmal bedeutet gute Führung schlicht: Ich bringe uns nicht in Versuchung.

Drittens:
Ich trainiere mein eigenes Nervensystem genauso wie seins. Langsamer gehen. Atmen. Schultern sinken lassen. Hunde lesen uns präziser als jedes Trainingsbuch. Ein ruhiger Mensch ist oft das beste Trainingswerkzeug im Umkreis von fünf Kilometern.

Fragen und Antworten für Tage mit viel Hormonsturm

Manchmal hilft es, kurz innezuhalten und nicht den Hund zu analysieren, sondern unsere Perspektive. Nicht um Fehler zu suchen — sondern um Mitgefühl zu finden.

Für ihn. Und für uns.

Diese Fragen haben keine perfekten Lösungen. Sie sind eher wie kleine Taschenlampen. Sie helfen uns sehen, was im Chaos leicht übersehen wird.
Erwartung vs. Entwicklungsstand
Darf mein Hund gerade so jung sein, wie er ist? Wo erwarte ich vielleicht zuviel von einem Gehirn, das noch mitten im Umbau steckt? Ja — dein Hund darf. Und du darfst dich trotzdem manchmal überfordert fühlen. Beides kann gleichzeitig wahr sein. Pubertät ist keine Phase, die man „wegtrainiert“. Sie ist eine Phase, die man begleitet. Wenn ein Gehirn im Umbau ist, sind Rückschritte kein Zeichen von Scheitern, sondern von Entwicklung — bei ihm und bei uns. Und Entwicklung ist selten elegant.
Die kleinen Erfolge sehen lernen
Worauf richtet sich mein Blick? Sehe ich die vielen kleinen Momente, in denen mein Hund sich bemüht — oder nur die großen Fehler?

Unser Gehirn ist darauf gebaut, Probleme zu finden. Das ist kein Charakterfehler, das ist Biologie. Deshalb fühlen sich Fehler riesig an und Fortschritte winzig. Aber Training wächst nicht in den spektakulären Momenten. Es wächst in den unscheinbaren: im Blickkontakt, im kurzen Zögern, im freiwilligen Zurückkommen, auch wenn es nur zwei Schritte sind. Wer Pubertät begleitet, lernt eine neue Maßeinheit für Erfolg. Nicht „perfekt“, sondern „ehrlich bemüht“.
Verbindung vor Ergebnis
Trainiere ich Beziehung oder nur Verhalten? Wie oft übe ich einfach Zusammensein, ohne ein Ziel erreichen zu wollen?

Beziehung ist kein Pausenfüller zwischen Trainingseinheiten. Sie ist das Training. Jeder Spaziergang, auf dem nichts „geübt“ wird, aber Vertrauen wächst, ist produktiv. Hunde lernen nicht nur durch Aufgaben. Sie lernen durch das Gefühl, sicher zu sein. Und Sicherheit entsteht oft in Momenten ohne Ziel. Zusammensein ist kein Stillstand. Es ist Fundament.
Humor als Rettungsring
Darf es auch leicht sein? Kann ich mir erlauben, über peinliche Situationen zu lachen, statt sie als Urteil über mich zu lesen?

Lachen ist kein Leichtsinn. Es ist Nervensystempflege. Peinliche Situationen sind keine Beweise für Unfähigkeit, sondern gemeinsame Geschichten im Entstehen. Fast jeder Mensch mit einem Junghund hat diese Momente. Die meisten sprechen nur selten darüber. Humor macht aus Scham Verbindung. Und Verbindung ist das, was uns durch diese Phase trägt.
Der Blick ohne Publikum
Was bleibt, wenn niemand zuschaut? Würdest du diesen Spaziergang dann anders bewerten?

Wenn niemand zuschauen würde, bliebe nur die Beziehung zwischen dir und deinem Hund. Kein Vergleich. Kein Urteil. Kein Wettbewerb. Und genau dort passiert echtes Leben und Lieben. Pubertät fühlt sich oft schwer an, weil wir uns beobachtet fühlen — von anderen, von Erwartungen, von unserem eigenen Perfektionsanspruch. Aber dein Hund lebt nicht im Publikum.

Er lebt bei dir. Und für ihn zählt nicht, wie es aussieht. Sondern wie es sich anfühlt.
Vielleicht ist das die ehrlichste Antwort auf alle Fragen zusammen:

Du darfst lernen und dein Hund darf lernen. Immer. Das ganze Leben lang. Ihr seid kein fertiges Team — ihr seid ein wachsendes. Und Wachstum ist laut. Chaotisch. Unordentlich. Manchmal auch peinlich und entmutigend. Aber genau darin lebendig.
Vielleicht sind unsere pubertierenden Hunde gar nicht unsere Schüler, sondern vielmehr unsere Lehrmeister in Fell.

Sigrid & Fin
professioneller Hormonsturm auf vier Pfoten und seine lernende Begleitperson