Pubertät trifft Wechseljahre

Oder: Wenn sein Testosteron Überstunden schiebt und meine Hormone langsam in Ruhestand gehen...

Letztens auf dem Spaziergang wurde mir bewusst, dass Fin und ich aktuell in zwei völlig unterschiedlichen Hormonuniversen leben. Während mein bald zweieinhalbjähriger Labrador aus dem Haus stürmt, als hätte er einen wichtigen Termin mit dem Rest der Hundewelt, fragte ich mich, warum mir gleichzeitig heiß, kalt, hungrig, müde und emotional zumute war.

Fin schien einen glasklaren Plan für diesen Tag zu haben: „Heute erobere ich die Welt, markiere mindestens zwölf neue Büsche und verliebe mich spontan in eine läufige Hündin, die ich zwar noch nie gesehen habe, deren Existenz ich aber trotzdem zweifelsfrei nachweisen kann!“

Mein Plan war deutlich bescheidener: „Bitte lass mich heute einfach niemanden unterwegs treffen.“

Fin steckt aktuell also gerade mitten im Abenteuer Erwachsenwerden - jene Zeit, in der die Hormone längst eingezogen sind, das Gehirn aber noch dabei ist, die Hausordnung zu lesen und Lebenserfahrung wie auch Selbstkontrolle zu lernen. Und ich mitten in den Wechseljahren - jener Zeit, in der die Hormone langsam ausziehen und dabei offenbar den Lageplan zu meinem Gedankenpalast mitgenommen haben. 😉

Wir beide also in einer Lebensphase, in der die Hormone gelegentlich glauben, sie könnten den Betrieb auch ohne Rücksprache führen.
Und bevor jetzt die Männer erleichtert weiterlesen und denken: „Zum Glück betrifft mich das alles nicht“
– keine Sorge, euer hormoneller Abteilungsleiter bekommt später ebenfalls noch seinen großen Auftritt. 😉

Je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, desto mehr staune ich darüber, welch gewaltigen Einfluss diese winzigen Botenstoffe auf unser Leben haben und gleichzeitig wurde mir bewusst, wie lange die Menschheit gebraucht hat, um Hormone überhaupt ernst zu nehmen.

Denn bevor man verstand, was Östrogen, Progesteron oder Testosteron eigentlich mit uns anstellen können, hatte man für manche Verhaltensweisen ganz andere „skurrile“ Erklärungen parat.

Ein kleiner Blick in die hormonische Vergangenheit

Bevor wir uns gleich wieder Fin und seinem hormonellen Großprojekt widmen, lohnt sich deshalb ein kurzer Blick zurück, denn vieles von dem, was wir heute über Hormone wissen, war lange Zeit ein großes Rätsel.

Wenn Frauen früher unter Stimmungsschwankungen, Schlafproblemen, Erschöpfung oder emotionalen Achterbahnfahrten litten, hatte die Medizin dafür eine scheinbar einfache Erklärung: sie litten unter „Hysterie“.

Der Begriff stammt vom griechischen Wort ´hystera´ für Gebärmutter und lange Zeit glaubte man tatsächlich, dass viele körperliche und seelische Beschwerden von Frauen direkt mit ihr zusammenhängen würden. Rückblickend wirkt das ein wenig so, als würde man bei einem Computerproblem grundsätzlich den Drucker verdächtigen.
Heute wissen wir natürlich, dass hinter vielen körperlichen und emotionalen Veränderungen weit mehr steckt als eine schlecht gelaunte Gebärmutter.

Genauer betrachtet, hatten vermutlich nicht nur die Frauen mit ihren Hormonen zu kämpfen. Man bekommt beim Blick in die Geschichte gelegentlich den Eindruck, dass manche Männer vor allem Schwierigkeiten damit hatten, wenn Frauen sich nicht so verhielten, wie man(n) es gerade erwartet hatte: War eine Frau traurig? Hysterisch. War sie wütend? Hysterisch. War sie besonders selbstbewusst? Überraschenderweise ebenfalls hysterisch.
Vielleicht war „Hysterie“ damals manchmal einfach die medizinisch elegante Umschreibung für: „Wir verstehen nicht, was gerade passiert – und ehrlich gesagt sind wir damit überfordert.“

Zum Glück wissen wir heute deutlich mehr. Wir wissen, dass diese kleinen chemischen Botenstoffe Stimmung, Schlaf, Energie, Konzentration und viele weitere Prozesse beeinflussen – und manchmal erstaunlich viel Mitspracherecht im Alltag besitzen.

Wer schon einmal in die Pubertät kam, eine Schwangerschaft erlebt hat oder die Wechseljahre durchläuft, weiß vermutlich ziemlich genau, wovon ich spreche. Und wer mit intakten Hunden lebt, möglicherweise ebenfalls.

Wenn die Hormone tun, was sie tun

Während wir Menschen heute immer besser verstehen, dass Hormone und Botenstoffe unser Verhalten beeinflussen können, beobachten viele Hundehalter dieselben biologischen Prozesse Tag für Tag direkt vor ihrer Nase.

Da wird aus einem entspannten Labrador-Baby plötzlich ein junger Romantiker, der überzeugt ist, dass irgendwo hinter dem nächsten Feldweg die große Liebe seines Lebens auf ihn wartet. Da verwandelt sich eine Hündin in eine leidenschaftliche Innenarchitektin, die Decken umsortiert, Kuscheltiere adoptiert und ihre Gefühle zeitweise mit einer Intensität erlebt, die selbst manchen Teenager beeindruckt hätte.

Und da stehen wir Menschen gelegentlich daneben und fragen uns, wann genau unser bislang vertrauter Hund gegen dieses neue Modell ausgetauscht wurde. Kein Trotz. Keine Sturheit. Keine plötzliche Charakterveränderung.

Es sind Hormone. Nicht mehr. Aber eben auch nicht weniger.

Und genau deshalb lohnt es sich, einmal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, denn während bei Fin gerade ein sehr motivierter Testosteron-Praktikant versucht, die Geschäftsführung zu übernehmen, befinden sich in meinem inneren Unternehmen einige langjährige Mitarbeiterinnen bereits auf dem Weg in den Ruhestand.

Zeit also, die wichtigsten Mitglieder dieses hormonellen Unternehmens einmal persönlich kennenzulernen.

Progesteron – Die innere Yogalehrerin

Progesteron ist die entspannte Yogalehrerin meines inneren Teams, die viele Jahre für Ruhe und Ausgeglichenheit im Unternehmen zuständig war.

Sie sitzt normalerweise irgendwo auf einer Matte, trinkt Kräutertee und flüstert beruhigend: „Atme ein. Atme aus. Das ist kein Drama. Wir schaffen das.“

Dieses Hormon hilft uns dabei, gelassener zu bleiben, Stress besser auszuhalten und nicht aus jeder Kleinigkeit eine Staatskrise zu machen. Es unterstützt Schlaf, Regeneration und emotionale Stabilität und sorgt dafür, dass nicht jede kleine Herausforderung sofort als persönliche Katastrophe eingestuft wird. Es ist die Stimme im Kopf, die sagt: „Der Hund hat gerade die Leine verknotet. Das ist ärgerlich, aber kein Weltuntergang.“ Oder: „Du hast den Autoschlüssel verlegt. Wir suchen ihn einfach. Niemand muss deswegen auswandern.“

Man könnte sagen: Progesteron ist die Mitarbeiterin, die regelmäßig daran erinnert, dass wir zwar Probleme haben, aber vermutlich keine, die einen sofortigen Krisengipfel erfordern.
Leider beginnt sich diese wunderbare Kollegin im Laufe der Jahre langsam in den Ruhestand zu verabschieden und ich habe das Gefühl, sie räumt ihre Sachen bereits in Umzugskartons. Manchmal ist sie noch da und alles läuft erstaunlich entspannt. Und manchmal scheint sie sich spontan einen Langzeiturlaub auf Bali genommen zu haben, vermutlich ohne Rückflugticket und ohne mich vorher zu informieren.

Zum Glück muss ich ihr dabei nicht tatenlos zusehen. Mit Unterstützung durch diverse Kräuter und naturidente Hormone versuche ich, meine innere Yogalehrerin noch ein wenig länger im Unternehmen zu halten und ihr den Umzug zumindest etwas schwerer zu machen.
Kurz gesagt: Meine innere Yogalehrerin ist zwar gerade am Ausziehen, aber ganz kampflos lasse ich sie nicht gehen.

Östrogen – Die Organisationschefin

Während Progesteron vor allem für Ruhe und Gelassenheit zuständig ist, kümmert sich Östrogen um das große Ganze und ist diejenige, die den Laden zusammenhält. Wie eine erfahrene Geschäftsführerin, die seit Jahrzehnten dafür sorgt, dass die verschiedensten Abteilungen miteinander sprechen, Termine eingehalten werden und der Betrieb insgesamt erstaunlich rund läuft.

Solange diese Mitarbeiterin zuverlässig ihren Dienst versieht, bemerken wir oft gar nicht, wie viele Aufgaben sie gleichzeitig übernimmt. Erst wenn sie beginnt, ihre Arbeitszeit langsam zu reduzieren, fällt auf, wie groß ihr Verantwortungsbereich eigentlich war. In den Wechseljahren verabschiedet sich diese langjährige Mitarbeiterin Schritt für Schritt in den Ruhestand. Und manchmal geschieht das, ohne ihre Nachfolger ordentlich einzuarbeiten und plötzlich herrscht Chaos im Betrieb.

Man steht in der Küche und weiß nicht mehr, warum man eigentlich hingegangen ist.
Man sucht die Lesebrille, obwohl diese auf dem Kopf sitzt.
Man sucht 10 Minuten lang den Autoschlüssel, obwohl dieser bereits im Auto steckt.
Man geht in einen Raum und hat schon wieder vergessen, was man gerade darin tun wollte. Und die Geduld? Die hat offenbar bereits vor Monaten die Kündigung eingereicht und ist ausgewandert.


Zusätzlich meldet sich der Körper mit kreativen Verbesserungsvorschlägen: Die Gelenke knirschen morgens wie eine alte Holzdiele. Der Schlaf verabschiedet sich mitten in der Nacht ohne Angabe von Gründen. Und die innere Temperaturregelung scheint von einem Praktikanten übernommen worden zu sein, der wahllos zwischen „Tiefkühltruhe“ und „Vulkanausbruch“ wechselt.

Östrogen hat überall seine Finger im Spiel: Bei Energie und Konzentration, bei Schlaf und Stimmung, bei Haut und Schleimhäuten, bei Knochen und Gelenken, bei Stoffwechsel, Durchblutung und vielem mehr.

Testosteron – Der Praktikant mit Führungsambitionen

Während in meinem inneren Unternehmen also gerade einige langjährige Mitarbeiterinnen ihre Abschiedsfeier planen, passiert bei Fin exakt das Gegenteil.

Dort sitzt seit einiger Zeit ein übermotivierter Mitarbeiter mit am Konferenztisch. Das Problem ist nur: Er hält sich inzwischen nicht mehr für einen Praktikanten, sondern für die zukünftige Geschäftsführung. 😉 Die Berufserfahrung ist leider nur überschaubar vorhanden - Selbstvertrauen dagegen reichlich.
Zu meinem Bedauern handelt es sich dabei nicht um einen ruhigen, besonnenen Mentor, der erst einmal beobachtet, zuhört und die Situation analysiert. Diese Position wäre zwar dringend zu besetzen, scheint derzeit aber noch vakant zu sein.

Stattdessen bewegt sich mein gelber Jungspund durch die Welt wie ein Abenteurer, der gerade entdeckt hat, dass er groß, stark und ziemlich beeindruckend ist.
Zwischen König der Welt und Mamas Baby

Wobei man fairerweise dazusagen muss, dieses Selbstbild hält nicht immer den ganzen Tag. Manchmal marschiert Fin durch die Gegend, als hätte er persönlich die Verantwortung für die Sicherheit unseres gesamten Wohnviertels übernommen. Dann wird geschniegelt, markiert, gescharrt und mit großer Überzeugung so getan, als wäre er bereits ein ausgewachsener Labrador von beeindruckender Wichtigkeit.

Und dann gibt es die anderen Momente. Jene Momente, in denen derselbe Hund, der eben noch überzeugt war, die Welt fest im Griff zu haben, plötzlich feststellt, dass irgendwo ein ungewohntes Geräusch zu hören war, ein durchsichtiger Müllsack am Wegesrand liegt oder ich ihn nur einen Hauch zu kritisch anschaue. Dann bekommt das Selbstbewusstsein des frisch ernannten Geschäftsführers manchmal erstaunlich schnell Risse. Mein großer Held erinnert sich schlagartig daran, dass er eigentlich noch Mamas Baby ist und sein Blick sagt dann ungefähr: „Du hast das gesehen, oder? Das ist verdächtig. Du regelst das jetzt bitte.“

Während also wenige Minuten zuvor noch sämtliche Büsche der Umgebung über seine beeindruckende Anwesenheit informiert wurden, sucht derselbe Hund plötzlich lieber meine Nähe und überlässt die Verantwortung wieder der Erwachsenen im Team. Zwischen dem überschwänglichem Prollen und dem charmantem Mama-Mimimi liegen bei Fin manchmal nur wenige Augenblicke und genau das macht diese jugendliche Phase so spannend, manchmal anstrengend und gleichzeitig unglaublich liebenswert.
Mehr als nur Machogehabe

Viel zu oft wird Testosteron allerdings auf seine auffälligsten Nebenwirkungen reduziert und dabei völlig unterschätzt, denn Testosteron ist weit mehr als nur der Verantwortliche für Imponiergehabe, Liebesabenteuer und gelegentliche Anfälle von Selbstüberschätzung.

Im hormonellen Unternehmen kümmert es sich um Kraft, Belastbarkeit und Tatendrang. Es unterstützt Muskulatur, Knochen und Bindegewebe und sorgt dafür, dass Herausforderungen mit einer gewissen Portion Selbstvertrauen und Unternehmungslust begegnet werden.

Kurz gesagt: Ohne Testosteron würden viele Lebewesen vermutlich deutlich vorsichtiger, zurückhaltender und weniger tatkräftig durchs Leben gehen.

Vielleicht sollten wir daher diesen Mitarbeiter etwas weniger als Problemkind und dafür mehr als engagierten Praktikanten betrachten, der zwar gelegentlich etwas über das Ziel hinausschießt, grundsätzlich aber nur versucht, seinen Job zu machen.

Übrigens arbeitet dieser Mitarbeiter keineswegs nur in männlichen Unternehmen. Auch Frauen beschäftigen Testosteron – lediglich in kleinerer Besetzung. Und auch dort trägt es dazu bei, dass Energie, Belastbarkeit und Wohlbefinden möglichst reibungslos laufen.
Wenn der Actionheld langsam in Teilzeit geht

Spannend ist allerdings, dass auch dieser Mitarbeiter im Laufe des Lebens nicht überall gleich fleißig arbeitet.

Während bei Fin gerade Überstunden geschoben werden, beginnt sich das Testosteron bei seinem menschlichen Pendant oft irgendwann langsam aus der Vollzeit zu verabschieden. Vor allem jenseits der Vierzig reduziert der männliche Testosteron-Abteilungsleiter seine Arbeitszeit meist still und unauffällig.

Erst im laufe der Jahre stellt man(n) fest, dass die Muskelabteilung unterbesetzt ist, die Energieabteilung nur noch halbtags arbeitet, sich das Bauchfett überraschend erfolgreich auf eine freie Führungsposition beworben hat und auch das Selbstbewusstsein gelegentlich einen kleinen Dämpfer bekommt.

Und vielleicht erklärt das zumindest teilweise, warum manche Männer plötzlich beginnen, sich für Motorräder, Sportwagen, Triathlons, Eisbäder oder andere ausgesprochen kreative Projekte zu interessieren.

Natürlich steckt hinter hormonellen Veränderungen deutlich mehr als Klischees und Sportwagenfantasien. Aber auch hier zeigt sich: Hormone beeinflussen uns alle. Frauen, Männer, Rüden und Hündinnen. Nur die Verpackung sieht manchmal etwas unterschiedlich aus.

Da ich bisher überwiegend auf der Rüdenseite des Lebens unterwegs war, bestanden meine persönlichen Erfahrungen mit Hormonen lange Zeit hauptsächlich aus Testosteron, Beinhebfestivals und romantischen Fernbeziehungen. Jonny war ein Rüde. Fin ist ein Rüde. Man könnte also sagen: Mein Fachgebiet lag bisher eher im Bereich „Testosterongesteuerte Abenteuerlust“.

Die Hündinnen – Projektleiterinnen für alle Eventualitäten

In letzter Zeit erzählten mir aber immer Freundinnen Geschichten, wie sie ihre Hündinnen durch Läufigkeit, Stehtage und gelegentliche Scheinträchtigkeiten begleiteten und welche Besonderheiten sie dabei erlebten.

Und plötzlich wurde mir klar: Die Damen spielen in der hormonellen Champions League – und bringen erstaunlich viel Erfahrung im Krisenmanagement mit.

In solchen Phasen kann eine Hündin morgens beschließen, dass ihr Mensch die wichtigste Person auf diesem Planeten ist. Am nächsten Tag erscheint ihr Eigenständigkeit plötzlich als der nächste große Entwicklungsschritt. Manche werden kuscheliger. Manche sensibler. Manche wirken erstaunlich erwachsen. Und manche führen Diskussionen, bei denen man sich fragt, ob sie heimlich ein Rhetorikseminar besucht haben.
Wenn die Natur lieber einmal zu gut vorbereitet ist

Besonders spannend wird es oft nach der Läufigkeit, denn während wir Menschen denken: „Gut, das Thema ist erledigt“, antwortet der Hündinnenkörper gelegentlich: „Moment. Wir haben hier noch ein paar Projekte offen und sind hier noch nicht fertig.“

Die Natur scheint an dieser Stelle lieber auf Nummer sicher zu gehen. Also verhält sich der Körper vorsorglich nach dem Eisprung so, als könnte Nachwuchs bevorstehen (egal ob tatsächlich oder nur Scheinträchtig): Spielzeuge werden eingesammelt, Lieblingsbälle fürsorglich bewacht oder an den unmöglichsten Orten Nester gebaut.

Man könnte sagen, während Fins Testosteron-Praktikant die Welt erobern möchte, plant die hormonelle Projektleiterin der Hündin vorsorglich schon einmal die komplette Kinderbetreuung, inklusive aller Eventualitäten.

Und wenn ich ganz ehrlich bin, erkenne ich dabei immer wieder gewisse Parallelen zu uns Frauen. Auch wir kennen Tage, an denen wir Nähe suchen. Und andere, an denen bitte niemand mit uns sprechen soll, bevor ausreichend Kaffee, Ruhe oder Schokolade verfügbar sind. 😉
Vielleicht fällt es mir genau deshalb schwer, über hormonelle Veränderungen bei Hündinnen zu schmunzeln, ohne gleichzeitig ein großes Maß an Verständnis für sie zu entwickeln. Denn letztlich erleben sie etwas, das uns gar nicht so fremd ist.
Der große Unterschied ist allerdings, dass sich unsere hormonellen Mitarbeiterinnen irgendwann langsam in den Ruhestand verabschieden. Bei Hündinnen hingegen bleibt das Unternehmen bis ins hohe Alter im Schichtbetrieb. Läufigkeit, Scheinträchtigkeit und hormonelle Höhen und Tiefen begleiten viele von ihnen ein Leben lang.

Mein Resümee

Wenn ich eines aus den letzten Monaten gelernt habe, dann vermutlich dies: Unser Körper hat deutlich mehr Mitspracherecht, als wir ihm manchmal zugestehen.

Manchmal stehen Fin und ich auf dem Spaziergang nebeneinander und ich muss lächeln. Er mit der Nase am Boden, fest davon überzeugt, dass diese eine Duftnachricht von höchster gesellschaftlicher Relevanz ist.
Ich daneben und auf der Suche nach dem Gedanken, den ich vor ungefähr zehn Sekunden noch hatte. 😉

Weder unsere Hunde noch wir selbst suchen uns unsere hormonellen Baustellen aus. Wir können nicht alles kontrollieren, was in unserem Körper passiert – aber wir können entscheiden, wie wir damit umgehen.

Hormone sind keine Ausrede. Aber sie sind eine Erklärung.

Sie helfen uns zu verstehen, warum Verhalten manchmal schwieriger wird. Warum Gefühle größer wirken. Warum Geduld plötzlich Mangelware ist. Und warum wir manchmal etwas mehr Verständnis brauchen – von anderen, aber auch von uns selbst.
Vielleicht geht es weder in dieser turbulenten Jugendphase noch in den Wechseljahren darum, alles jederzeit im Griff zu haben. Manchmal reicht es völlig aus, die Veränderungen anzunehmen, freundlich mit sich selbst zu bleiben und darauf zu vertrauen, dass auch diese Phase irgendwann wieder vorüberzieht.
Am Ende interessieren sich Hormone erstaunlich wenig für Geschlecht, Alter oder Lebensphase.

Sie mischen überall mit – mal als erfahrene Geschäftsführerin, mal als Yogalehrerin, mal als verliebter Testosteron-Praktikant und manchmal vermutlich auch als Cabrio-verliebter Abteilungsleiter auf dem Weg in die Teilzeit. 😉

Während Fin also gerade mit großer Begeisterung herausfindet, was man als junger Labrador alles markieren, beschnüffeln und hinterfragen kann, freue ich mich auf den Tag, an dem mein Gehirn wieder häufiger mit derselben Geschwindigkeit arbeitet wie mein Kalender. Bis dahin machen wir einfach weiter. Fin entschlüsselt die Geheimnisse der Hundewelt. Und ich suche den Gedanken, mit dem ich diesen Satz eigentlich beginnen wollte. 😉

Sigrid & Fin 🐾
Der Labrador mitten im Abenteuer Erwachsenwerden und die Frau, deren Hormone langsam in den Ruhestand gehen – gemeinsam unterwegs zwischen Größenwahn, Gedächtnislücken und ganz viel Herz und Humor. 🐾

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