„Ein pubertierender Hund ist kein Problem, sondern ein Projekt mit eingebautem Comedy-Programm.“
Herzlichen Glückwunsch - Du bist dabei!
Wenn dein süßer Welpe plötzlich aussieht, als hätte er heimlich ein Praktikum bei den Hells Angels gemacht, dann bist du offiziell Mitglied im Pubertier-Club.
Ich weiß das so genau, weil ich mittendrin stecke: Fin, mein Labrador, ist jetzt 15 Monate alt – und ich kann dir sagen: wir erleben gerade alle Höhen und Tiefen dieser wilden Phase.
Eben noch hat er tapsig meine Socken geklaut und mit seinen Kulleraugen mein Herz zum Schmelzen gebracht – und jetzt stolziert er durch die Gegend wie ein kleiner Oberlippenbartträger auf Mucki-Pulver. Im nächsten Moment sitzt er dann wieder zitternd da, weil der Staubsauger heute ganz anders aussieht als gestern.
Wie sagt man so schön: „Pubertät ist, wenn Eltern schwierig werden.“
– und bei Hunden trifft’s eben uns Halter
Hormone: Wenn die Chemiker Party machen
Mit etwa 6–8 Monaten übernimmt die Natur das Steuer – und plötzlich steppt die endokrine Band.
Plötzlich sind Hormone die unsichtbaren Dirigenten, die Stimmung, Verhalten und den Energielevel der Hunde kräftig durcheinanderwirbeln.
Für uns Halter:innen beginnt damit eine Phase voller Überraschungen, Geduld und – seien wir ehrlich – manchmal auch Chaos.
Hündinnen: Hormondisco deluxe
Die erste Läufigkeit ist kein kleines Nebenbei, sondern eher bunte eine Hormondisco mit voller Glitzer und Nebelmaschine. Östrogen und Progesteron übernehmen die Rollen von DJane und Türsteher dieser Party, mischen alles kräftig auf: Gefühle, Aufmerksamkeit und Verhalten.
Manche Hündinnen werden in dieser Phase zu anhänglichen Kuschelbären, die jede Streicheleinheit genießen. Andere entwickeln sich zu wahren Drama-Queens, die ihre Freundschaften ganz gezielt auswählen – „Dich mag ich, dich heute eher nicht“.
Nach der Läufigkeit kann sich eine Scheinträchtigkeit einschleichen: Das Körbchen wird zum Kreißsaal, das Lieblingskuscheltier adoptiert, die Milchbar eröffnet. Für die Hündin ist das völlig normal, für uns Halter:innen oft eine Mischung aus rührend, lustig und einem kleinen „äh … was passiert hier gerade?“.
Und ja, auch Testosteron spielt eine Rolle – wenn auch in kleinen Mengen. Es sorgt dafür, dass Knochen und Muskeln stabil bleiben und ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein erhalten bleibt.
Rüden: Mein Alltag mit Fin
Bei Fin zeigt sich die Pubertät als echtes „Beinchenheb-Festival“, das für mich wie eine Mischung aus Comedy-Show und Geduldstraining wirkt. Sein Testosteron hat die Turbotaste gefunden, und ich stehe mittendrin zwischen Stolz und Kopfschütteln.
Einerseits ist es faszinierend: Die Hormone machen ihn kräftiger, voller Energie und verleihen ihm dieses unerschütterliche „Hey, schaut mal, ich bin der King hier!“-Gefühl.
Biologisch genial, für mich als Halterin und Trainerin manchmal jedoch eine echte Herausforderung.
Es gibt Tage, da habe ich das Gefühl, Fin hätte heimlich ein Hundetrainingsbuch auf einen Satz verschlungen. Jeder Rückruf sitzt, jeder Trick klappt, er arbeitet motiviert mit mir, hat nur Augen für mich und ich könnte vor Stolz fast platzen.
Dann – zack – kommt der nächste Tag, an dem ich mich ernsthaft frage: „Kennst du mich überhaupt noch?“
Signale, die sonst bombig sitzen, verschwinden plötzlich in einem schwarzen Loch. Er testet Grenzen aus, hebt das Bein an jedem Grashalm und lebt seine kleine Testosteron-Welt mit all seinen „Ich-mach-mal-mein-Ding“-Momenten voll aus.
„Zwischen Genie und Wahnsinn liegt oft nur ein Hormonschub – bei Hunden nennt man das Pubertät.“
Für mich bedeutet das: tief durchatmen, Humor bewahren, Gelassenheit zeigen – und immer wieder klarzumachen, dass Pubertät bei Hunden genauso chaotisch ist wie bei Menschen. Nur dass Fin dabei deutlich mehr Energie hat als ich. 😉
Pubertier-Mythen im Check
"Er hört nicht mehr, weil er dominant ist!"
Nein! – das Gehirn ist im Umbau. Eine Dominanz Beziehung besteht immer kontextbezogen zwischen 2 Individuen und das ist hier nicht die Erklärung, sondern "einfach" die strukturelle Neuverschaltung im Gehirn. Alles bereits Gelernte wird neu überprüft und neu einsortiert.
„Da hilft nur Kastration.“ - Kastration kann Verhalten verändern, löst aber keine Erziehungsprobleme. Alle Hormone haben ihre natürliche Berechtigung und v.a. Testosteron ist mega wichtig für Gesundheit & Selbstbewusstsein. Eine Kastration kann auch ganz schön in die Hose gehen!!!
„Das geht nie wieder weg.“ - Doch! Mit ca. 2–3 Jahren pendeln sich Hormone & Gehirnumbauten ein – und plötzlich hast du einen verlässlichen, erwachsenen Hund an deiner Seite.
Atmen! Lächeln! Durchhalten!
Welchen Mythos hast du schon gehört – und wie war deine Erfahrung?
Pubertät im Hundegehirn
"Es ist, als würde im Gehirn eine neue Glasfaserleitung verlegt. Damit sie später schneller und stabiler läuft, muss die alte Verbindung erst einmal gekappt werden – und genau in dieser Umbauphase ruckelt es gewaltig."
So beschreibt der Zoologe Udo Gansloßer gern die Hundepubertät
Ein paar Beispiele:
-) Ein Signal, das dein Hund gestern noch sicher beherrscht hat, wirkt heute plötzlich wie komplett vergessen. Das ist also ganz normal!
-) Dein Hund ist nicht „stur“ – sondern die Datenautobahn in seinem Kopf wird gerade umgebaut. Im Baustellenbetrieb geht es einfach nicht so schnell vorwärts 😉
-) Wenn die neue Daten-Leitung steht und alles fertig umgebaut ist, läuft alles wieder deutlich zuverlässiger, du wirst schon sehen.
Hast du das auch schon erlebt, dass dein Hund dich an einem Tag komplett ignoriert – und am nächsten wieder funktioniert wie aus dem Lehrbuch?
Emotionen im Looping – Die Achterbahn der Gefühlswelt
Eine normale Woche mit Fin:
Montag: Ich denke: „Wow, er ist erwachsen geworden! So brav, so konzentriert – vielleicht haben wir die schlimmste Phase überstanden.“ Hoffnung macht sich breit.
Dienstag: Fin zieht mich an der Leine wie ein Schlittenhund auf Speed, pöbelt andere Hunde an, markiert gefühlt jeden zweiten Grashalm an und ich hänge hinten dran wie ein schlecht gelaunter Anhänger.
Mittwoch: Zuckerbärchen-Alarm! Er kuschelt, schläft, ist lieb – und ich bin wieder völlig hin und weg. Mein Herz macht Purzelbäume, und ich schwöre mir: „Alles halb so wild, das schaffen wir schon.“ ️
Donnerstag: (Mimimi-Tag deluxe)
Morgens: Auf dem Spaziergang wird ein Kübel, der gestern noch nicht da stand, böse angeknurrt. Oder die Waschmaschine, die seit dem Tag von Fins Einzug täglich läuft, klingt plötzlich „gefährlich anders“.
Nachmittag: Fin zerstört Teile meines Gartens, ignoriert jedes Signal und scheint nur noch ans Rammeln zu denken.
Abends: Er kuschelt nicht mehr wie früher selbstverständlich auf der Couch mit uns, sondern legt sich demonstrativ auf den Boden. Manchmal geht er sogar schon vor uns allein ins Bett – während wir noch unten im Wohnzimmer bleiben.
Kurz: Mein Hund ist einerseits überzeugt, dass die Welt jeden Tag neue Monster für ihn bereithält und andererseits, dass er niemanden von uns braucht.
Freitag: Plötzlich klappt alles. Er reagiert blitzschnell auf Signale, läuft entspannt neben mir an der Leine, spielt friedlich mit allen Hunden und ist Musterschüler im Hundekurs. Am Abend kuschelt er mit uns, als wären wir Monate lang im Ausland gewesen.
Ich überlege kurz, ob er über Nacht heimlich ausgetauscht wurde.
Samstag: Sozialer Overload – Fin ist draußen kaum ansprechbar, schnüffelt sich durchs Leben und schaut mich an, als wäre ich nur die nervige Beifahrerin in seinem Abenteuer.
Sonntag: Familienidylle. Fin liegt zusammengerollt wie ein kleiner Engel auf der Couch, schnarcht leise und sieht so unschuldig aus, dass ich mich frage, ob ich mir die Chaoswoche nur eingebildet habe.
Kurz gesagt:Genie und Wahnsinn wechseln sich ständig ab – und manchmal wohnen sie gleichzeitig in meinem Vierbeiner 😉
Erkennst du dich und deinen Hund in diesem Wechselspiel auch wieder?
„Ein pubertierender Hund ist wie ein WLAN – manchmal hast du vollen Empfang, und dann wieder einfach nur Funkstille.“
So sagte mal ein Trainer mal zu mir ...
3 Spiele gegen das Pubertier-Chaos
(Praktische "Überlebens"- Tipps)
Nasenarbeit oder besser der Pubertier-Bremsknopf
Lass deinen Hund nach einem Dummy, einem Spielzeug oder verstecken Leckerchen im Garten oder nach welchen in einer zerknüllten Decke oder in einem Papierkarton suchen. Nasenarbeit macht müde, glücklich und stärkt die Konzentration.
Hast du schon mal gemerkt, wie entspannt dein Hund nach 10 Minuten Schnüffelarbeit ist?
Tricktraining – kleine Erfolge, große Wirkung
Auch wenn Signale gerade wackeln, einfache Tricks wie „Pfote geben“, einen Buzzer drücken oder „Touch“ (Hand anstupsen) bringen Spaß und gemeinsame Erfolgsmomente.
Welchen Trick kann dein Hund im Halbschlaf – und welchen wollt ihr unbedingt mal ausprobieren?
Das Anti-Stress-Kauprogramm
Diverse Kauartikel (Kauwurzel, div. Hölzer oder tierische Kauartikel), gefüllte Schleckbehälter-/ oder Matten oder die verschiedensten Kauspielzeuge aus dem Handel beschäftigen nicht nur, sondern wirken wie ein Ventil für die Entspannung - und nebenbei fördern sie v.a. am Abend die Melatoninproduktion.
Philosophie am Gartenzaun
Wenn man es philosophisch betrachtet, ist die Hundepubertät nichts anderes als ein rituelles Übergangsprogramm. Chaos ist kein Unfall – es ist Pflichtprogramm.
Oder wie Sokrates vielleicht gesagt hätte, hätte er einen Labrador gehabt: „Ich weiß, dass ich nichts weiß – besonders, wenn mein Hund gerade meinen Garten nach seinen eigenen Vorstellungen umgestaltet.“
Genau das erlebe ich mit Fin jeden Tag, denn die Wahrheit ist: Entwicklung verläuft nicht linear.
Sie macht Haken, Umwege, Pirouetten und manchmal sogar Saltos rückwärts.
Ein Tag fühlt sich an wie Erleuchtung im Buddhismus – ich denke, Fin hat das große Geheimnis des Lebens verstanden. Am nächsten Tag wirkt er, als hätte er seine gesamte Festplatte neu formatiert.
Und ja, hinter all dem Chaos steckt biologisch echt eine Menge:
Hormone wie Testosteron, Östrogen und Progesteron sorgen für Energieexplosionen, Stimmungs-schwankungen und einen unbändigen Drang, die Welt zu erkunden. Im präfrontalen Cortex laufen Umbauten, die seine Impulskontrolle und Entscheidungsfähigkeit betreffen – deswegen wirken Rückrufe manchmal perfekt und manchmal wie vom Winde verweht.
Außerdem testet Fin gerade seine Position in der sozialen Welt, sowohl bei Artgenossen als auch bei mir, was ein natürlicher Teil des Lernprozesses ist.
Kurz gesagt: Pubertät ist eine Mischung aus Chaos, Gehirnumbau, hormonellen Partys und Selbstfindung – eine Art Zen-Meditation für Fortgeschrittene.
Für mich heißt das vor allem: tief durchatmen, Humor bewahren und Geduld üben. Jede Pirouette, jeder Rückruf-„Fehlschlag“ und jedes Grashalm-Testspiel sind Teil eines völlig natürlichen Entwicklungs-prozesses.
Am Ende bleibt die philosophische Wahrheit: Fin wächst nicht nur körperlich, sondern auch geistig – und manchmal darf ich mich einfach zur Seite setzen und sein, während er die Welt nach seinen Vorstellungen neu sortiert.
Und genau das macht diese ganze Zeit so besonders wertvoll:
Fin lernt gerade, wer er ist, was er kann und wo seine Grenzen liegen.
Und ich lerne, Geduld zu haben, loszulassen und mich nicht über jedes Chaos aufzuregen.
Und wir beide lernen: Das Leben ist kein gerader/ ebener Spazierweg im Vakuum, sondern eher ein Feldweg voller Schlaglöcher, Pfützen und überraschender Begegnungen mit frechen Eichhörnchen.
Erlebst du mit deinem Hund auch manchmal diese
„Alles auf Anfang“-Momente?
Kastration und Hormon-Chip
„Würde eine Kastration oder ein Hormonchip unser Leben einfacher machen?“
Genau hier stehen Fin und ich gerade. Mit seinen 15 Monaten ist er mitten in der Pubertät, und ich ertappe mich bei dieser Frage ...
Die chirurgische Kastration klingt zunächst nach einem schnellen Ausweg: weniger Rammeln, weniger Markieren, weniger Macho-Allüren.
Aber Testosteron ist nicht nur der kleine Nervzwerg, der uns manchmal in den Wahnsinn treibt, sondern es ist auch unglaublich wichtig:
Es baut Muskeln und Knochen auf, stärkt die Knochendichte, kurbelt den Stoffwechsel an und vor allem ist es ein Selbstbewusstseinshormon.
Gerade jetzt, wo Fin noch dabei ist, seinen Platz in der Welt zu finden, gibt ihm das Testosteron innere Stabilität. Nimmt man es zu früh weg, kann er unsicherer, ängstlicher oder instabiler werden – und das wäre genau das Gegenteil von dem, was ich mir wünsche.
Ein Hormonchip funktioniert wie eine Kastrations-Testversion auf Probe. Er senkt den Testosteronspiegel für mehrere Monate, sodass man beobachten kann, wie sich das Verhalten verändert. Manche Hunde wirken danach entspannter und fokussierter. Andere wiederum verlieren an Sicherheit, wirken plötzlich unsicher oder überfordert oder können dadurch sogar Krankheiten entwickeln.
Und was heißt das nun für uns?
Für mich bedeutet es vor allem weiter alles weiter zu beobachten, Trainings und Signale immer wieder wiederholen und mich in Geduld üben.
Klar, er treibt mich manchmal an den Rand der Verzweiflung – aber genauso oft überrascht er mich mit seiner Sanftheit, seiner Klugheit, seiner Verspieltheit und seinem riesigen Herz.
Zwischenfazit: Kastration oder Hormon-Chip sind keine universellen Zauberstäbe für alles!
Natürlich können sie helfen – aber auch neue Probleme schaffen.
Testosteron ist nicht nur der „Störenfried“, sondern ein wichtiger Baustein für die Entwicklung.
Deshalb bleibe ich erstmal bei Geduld, Training und Humor – und genieße, dass er gerade auf dem spannendsten Abenteuer seines Lebens ist.
Mein Überlebenspaket
Wie übersteht man also diese wilde Zeit, ohne gleich auszuwandern?
Humor behalten:
Dein Hund ist nicht böse – er ist hormonell. Wenn er sich peinlich benimmt, stell dir einfach vor, er sei ein Teenager im Kapuzenpulli, der mit einem Skateboard in die Familienfeier platzt. Hilft sofort.
Sich in Geduld üben:
Auch wenn’s schwerfällt: es ist nur eine Phase. Fins Gehirn fühlt sich manchmal an wie eine WG, in der ständig die Möbel verrückt werden. Kein Wunder, dass er stolpert.
Erfolge feiern: (auch die Kleinen!)
Wenn Fin an einem Tag zuverlässig auf meine Signale reagiert oder sich abrufen lässt, dann ist das für mich ein Grund für innerliches Konfetti ! Diese kleinen Siege sind das, was mich durchhalten lässt. Und das Beste daran ist: Er spürt, wenn ich stolz bin – und das motiviert ihn gleich doppelt.
Durchatmen:
Klingt simpel, ist oft nicht einfach, wirkt aber Wunder! Wenn Fin mich wieder mal wie einen Gummistiefel durch den Park zieht, bleibe ich kurz stehen, atme tief ein und aus – und erinnere mich: Auch das geht vorbei. Gelassenheit ist ansteckend – je ruhiger ich bleibe, desto schneller findet er wieder zu mir zurück.
„Es ist nur eine Phase und hey – die besten Geschichten entstehen immer in den chaotischsten Zeiten.“
Das sage ich mir immer und immer wieder 😉
Mein Fazit
Mit einem Pubertier wie Fin lebst du auf einer ständigen Achterbahn – mal himmelhoch jauchzend, mal tief verzweifelt. Aber genau diese Phase macht unsere Bindung zueinander am Ende so stark.
Und ganz ehrlich:
Die Geschichten, die ich jetzt mit ihm erlebe, werde ich irgendwann mit einem breiten Grinsen (in der aktuellen Phase schaffe ich das nicht immer) weitererzählen. Vielleicht sogar als Mutmacher für alle, die gerade selbst mit einem Pubertier durchstarten.
Und jetzt bin ich neugierig:
Steckt dein Hund auch mitten in der Pubertät? Schreib mir doch per Whatsapp oder E-mail, welche Chaos- oder Herzmomente du gerade erlebst.
